Predigt aktuell

Predigttext: Jeremia 9, 22-23 (Übersetzung nach Martin Luther, Revision 1984)
22 So spricht der Herr: Ein Weiser rühme sich nicht seiner Weisheit, ein Starker rühme sich nicht seiner Stärke, ein Reicher rühme sich nicht seines Reichtums.
23 Sondern wer sich rühmen will, der rühme sich dessen, dass er klug sei und mich kenne, dass ich der Herr bin, der Barmherzigkeit, Recht und Gerechtigkeit übt auf Erden; denn solches gefällt mir, spricht der Herr

Liebe Gemeinde

Wir alle brauchen Lob. Erziehung und Lernen erfolgt ausschließlich über Geduld, Lob und Erfahrung. Darauf fußt unser Erziehungs- und Bildungssystem. Strafe sollte keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen, nur eingesetzt werden bei absichtlicher, bewusster Überschreitung von Grenzen die anderen schadet. Aber selbst dann bleibt zu fragen ob über positive Zuwendung nicht eventuell mehr erreicht werden könnte. Aber bevor wir abdriften in Überlegungen wann Strafe sinnvoll ist oder nicht, möchte ich zum Anfangsgedanken zurückkehren: Wir alle brauchen Lob. Um das Loben soll es heute gehen.

Denkt doch einmal zurück an eure eigenen Erfahrungen. Lob ist ein viel größerer Ansporn als alles andere. Um das Lob zu bekommen sind wir gerne bereit viel größere Anstrengungen zu verrichten, als jede Strafe es je aus uns herausgeholt hätte. Wer nicht über das Lob gefördert wird, der verkümmert, dem fehlt etwas, ja, aus eigener Erfahrung weiß ich, der kann sogar krank werden. Bei mir merke ich z.B. wenn ich mich einsetze, für unsere Gemeinde oder Menschen, wenn ich wie verrückt herumwirble, mache, tue, mich die Gedanken nicht zur Ruhe kommen lassen. Tue ich es oft auch um Anerkennung zu bekommen. Wenn niemand mich lobt oder man nimmt meinen Einsatz eben so als selbstverständlich hin, dann bekomme ich es regelmäßig im Rücken, einen Hexenschuss. Der zwingt mich dann kürzer zu treten und vielleicht doch Aufmerksamkeit zu bekommen, nach der ich mich vorher gesehnt habe. Ich denke mit dieser Reaktion bin ich nicht allein. Die kennen wir alle. Die einen werden krank, andere muksch, oder versuchen sonst irgendwie die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu lenken, um doch noch zu den positiven Rückmeldungen zu kommen, um doch noch ihr Lob einzuheimsen. So sind wir eben gestrickt. Und dann gibt es noch die Selber-Macher. Die sind so von sich überzeugt, dass sie sich eben selber loben. Die damit angeben, die sich in den Mittelpunkt stellen: Da seht her, ich bin der gute. Ich bin klug und weise! Ich bin stark. Ich bin reich und zeige das gerne auch allen. Nur für den Fall das niemand es bemerken sollte: ich bin was und ihr, die ihr weniger seid, habt oder hermacht: Bestaunt mich! Lobt mich! Seid meine Freunde und Bewunderer!

Ich bin sicher ihr kennt solch ein Verhalten auch aus eurer Umgebung. Es gibt immer Menschen, die sich besser vorkommen als die anderen. Die damit angeben oder sich in den Vordergrund drängeln. Sie haben gelernt: Frechheit siegt und verhalten sich auch so.
Unser Predigttext zeigt genau das auf: Ein kluger Mensch soll nicht mit seiner Klugheit angeben. Ein Starker soll nicht seine Stärke zur Schau stellen. Ein Reicher nicht mit seinem Reichtum protzen. Sondern wer wirklich klug ist, der gebe damit an, dass er um Gott weiß, den Geber alles dessen was ist. Wer Gott als Ursprung alles dessen was ist begriffen hat, der hat verstanden, dass Gott das Leben schuf, unser, dein Leben gewollt hat. Dass er dir die Möglichkeiten gegeben hat, die du nutzen kannst. Diese Erde mit ihren Lebensbedingungen, dein Land in dem du geboren bist und lebst, die Möglichkeiten die du hast, den Verstand, das Glück, deine Veranlagungen. Erst wer sein eigenes Können und Vermögen aus dieser Perspektive sieht, wird nicht überheblich werden. Wird immer Gott zuerst die Ehre geben und nicht sein eigen Verdienst und Würdigkeit herausstellen, wie Luther es einmal gesagt hat.

Und das schöne ist, dass Gott wie wir auch Lob haben will. Denn dann macht es ihm um so mehr Spaß zu segnen und noch bessere Gaben zu geben. Wie ich am Anfang sagte: Wir brauchen alle Lob und Anerkennung. Das ist der beste Ansporn zum Lernen und Weitermachen. Das gilt für ein kleines Kind ebenso wie für einen Schüler, einen Berufstätigen, eine Ehefrau wie für jemand der ehrenhalber ein Amt übernimmt. Das gilt für alle - und auch für Gott.
Amen